Paradoxe „True Belief“ Aufgabe – Sind 3-jährige darin wirklich besser als 6-jährige Kinder?

Studienleitung: Michael Huemer

Studiendurchführung: Luzia Lindner & Barbara Strubegger

Dauer: ca. 10 – 15 Minuten, Alter: 3 bis 6 Jahre

 

In unserer Studie beschäftigen wir uns mit einem paradoxen Phänomen in der Entwicklung von Perspektivenübernahme bei 3 bis 6-jährigen Kindern. Aktuelle Studien zeigen ein erstaunliches Ergebnis: 4-5 jährige Kinder haben Schwierigkeiten mit einer – zuvor bereits richtig gelösten – Aufgabe!

Klingt komisch – ist aber so? Diesem bemerkenswerten Phänomen wollen wir in dieser Studie nachgehen. Zunächst interessiert uns, ob auch wir dieselben Ergebnisse (wie die von Oktay-Gür & Rakoczy, 2017)  finden.

Die „False Belief“ Aufgabe

Ab einem Alter von etwa 4 Jahren entwickelt sich bei Kindern die Fähigkeit, sich in andere Personen und Situationen hineinversetzen zu können. Einen der bekanntesten Tests zur Perspektivenübernahme stellt die sogenannte „False Belief“ Aufgabe dar, bei der Kinder den falschen Glauben anderer über die Realität einschätzen sollen.

Eine solche „False Belief“ Geschichte werden wir den Kindern in unserer Studie mit der Puppe Susi vorspielen: Zunächst legen wir ein Spielzeug in die erste Box, die Puppe Susi verlässt uns dann kurz, während dieser Zeit legen wir das Spielzeug in die andere, zweite Box. Nun kommt Susi zurück und die Kinder werden gefragt: Wo wird Susi das Spielzeug suchen?

Aus bisherigen Studien wissen wir, dass es Kinder mit ungefähr 4 Jahren anfangen diese Frage richtig zu beantworten. Jüngere Kinder hingegen meistern diese Aufgabe meist noch nicht.

Die „True Belief“ Aufgabe

Wird die Geschichte aber so verändert, dass Susi bereits früher zurück kommt und anwesend ist, wenn wir das Spielzeug von der blauen in die grüne Box legen, zeigen Studien, dass auch die jüngeren Kinder die Frage „Wo wird Susi das Spielzeug suchen?“ problemlos beantworten können. Auch diese „True Belief“ Variante werden wir den Kindern  in unserer Studie vorspielen.

Außerdem werden wir den Kindern neben den oben beschriebenen Puppenspielen noch zwei kurze Bildgeschichten derselben Art präsentieren.

Die Geschichten sind ganz ähnlich aufgebaut, werden aber in Form einer teilweise animierten Bildgeschichte am Laptop präsentiert. Es wird darin z.B. ein Teddy zuerst in die rote Kiste und danach in die gelbe Kiste gelegt. Dies geschieht entweder in Abwesenheit (False Belief Aufgabe) oder in Anwesenheit (True Belief Aufgabe) der Hauptakteurin Lisa. Auch hier werden die Kinder am Ende gefragt: Wo wird Lisa den Teddy suchen?

              

Um mögliche Einflussfaktoren des allgemeinen Sprachverständnisses ausschließen zu können, wird zusätzlich ein spielerischer Test zur verbalen Kompetenz durchgeführt, bei der die Kinder Bilder mit verschiedenen Alltagsobjekten benennen.

Wie bewältigen die Kinder – altersabhängig – die True Belief Aufgaben? Gibt es dabei Unterschiede je nach Art der Präsentation: Vorspielen mit einer Puppe versus Erzählen einer Bildgeschichte?

Über die Ergebnisse informieren wir Sie selbstverständlich nach Abschluss unserer Studie!

 

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