Kirsten Kornmann & Nina Pichler

Dauer: 2 Termine zu ca. 20 Minuten, Alter: 3-4 Jahre

 

Verstehen von falschen Richtungsweisern und alternativen Bezeichnungen

Im Alter von etwa 4 Jahren erlangen Kinder die Fähigkeit, sich in andere Personen und Situationen hineinversetzen zu können. Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme brauchen wir in verschiedenen Situationen, z.B. um falsche Richtungsweiser richtig zu interpretieren, um verschiedene Bezeichnungen für dasselbe Objekt zu verstehen und um Handlungen von Personen vorhersagen zu können, die einen falschen Wissensstand haben.
Mit dieser Studie versuchen wir herauszufinden, wie diese unterschiedlichen Arten der Perspektivenübernahme zusammenhängen und ab welchem Alter dieses Verständnis bei Kindern vorhanden ist.
Dazu möchten wir 9 kurze spielerische Aufgaben in Form von Geschichten präsentieren, die entweder am Laptop oder mit Requisiten vorgespielt werden und je zwischen 3-5 Minuten dauern.

Das Verständnis von Alternativen Bezeichnungen wird am Laptop getestet. Ihrem Kind wird eine Geschichte von Lilli und ihrem Lehrer erzählt, die ein Spiel spielen. So zeigt der Lehrer Lilli immer ein Bild und nennt einen Namen für das Abgebildete, z.B. „Teddybär“. Lilli soll dann eine weitere Bezeichnung für das Bild nennen, in diesem Fall z.B. „Kuscheltier“. Ihr Kind darf dann entscheiden, ob Lilli etwas Richtiges gesagt hat oder nicht.

Zur Perspektivübernahme des Wissensstandes anderer Leute wird ebenfalls am Laptop eine Geschichte präsentiert: Nachdem Maxi mit seinem Ball gespielt hat legt er ihn in einen Schrank und geht nach draußen. Da kommt seine Schwester ins Zimmer -sie findet den Ball und legt ihn in einen anderen Schrank. Wo wird Maxi bei seiner Rückkehr nach dem Ball suchen?
Frühere Studien haben gezeigt, dass Kinder erst ab einem Alter von ca. 4 Jahren verstehen, dass Maxi an der Stelle nach dem Ball schauen wird, an dem er ihn zurückgelassen hat, da er nicht wissen kann, dass Lisa den Ball umgeräumt hat.

Außerdem wollen wir auch untersuchen, wie Kinder falsche Wegweiser verstehen. Dafür spielen wir eine Geschichte mit Playmobil-Figuren vor. Ein Motorradfahrer fährt eine Straße entlang die sich gabelt und an jedem Ende zu einer andersfarbigen Garage führt. Ein Wegweiser zeigt immer die Richtung der Garage an, in der der Motorradfahrer gerade sein Motorrad geparkt hat. Aber Achtung! Ein Windstoß kommt und dreht den Pfeil des Wegweisers in die andere Richtung. Der Pfeil stellt also die Wirklichkeit nicht mehr richtig dar. Was sagt uns der Wegweiser, wo das Motorrad ist?

Anders als bei der Perspektivübernahme in der vorherigen Geschichte, muss sich das Kind hier aber nicht in die Gedanken einer anderen Person hineinversetzen, sondern es gibt einen beobachtbaren Wegweiser. Entwickelt sich das Verständnis dennoch gemeinsam oder handelt es sich um unterschiedliche Entwicklungsprozesse?

Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihren Kindern!

 

Zurück zur Kinderlabor-Einstiegsseite